Ketamin

Ketamin ist eine seit den 1920er Jahren bekannte Substanz, die seit vielen Jahrzehnten routinemäßig in der Anästhesie, in der Kinderanästhesie, in der chirurgischen Ambulanz und im Rettungsdienst weltweit verwendet wird. Bei der WHO (Weltgesundheitsorganisation) wird es seit langem geführt in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel (Organization, W.H., WHO model list of essential medicines: 18th list, April 2013.)

Seit Jahren ist ebenfalls bekannt, dass Ketamin in niedriger Dosierung einen sehr starken neuromodulatorischen Effekt durch seine Wirkung als NMDA-Rezeptor-Antagonist im Gehirn hat. Dadurch eignet es sich auch therapeutisch hervorragend zur Therapie in Psychiatrie und in der Schmerzmedizin. Es hat nicht nur während seiner Verabreichung analgetische und schlaffördernde Wirkung, sondern wirkt bei intravenöser Verabreichung niederer Dosen darüber hinaus anhaltend schmerzmodulierend. Darüber hinaus ist Ketamin das stärkste bekannte Antidepressivum und wirkt meist bereits nach wenigen Anwendungen dauerhaft.

 

Wir setzen Ketamin im Bereich der Schmerztherapie bei folgenden Erkrankungen ein:

  • Schmerzverarbeitungsstörungen, in denen Neuroplastizität eine dominierende Rolle spielt ("chronische Schmerzkrankheit")
  • neuropathische Schmerzen
  • diabetische Polyneuropathie
  • Schmerzzustände mit Dysregulation im peripheren Nervensystem wie dem Morbus Sudeck (sympathische Reflexdystrophie oder CRPS/komplexes regionales Schmerzsyndrom)
  • Kopfschmerzformen wie Clusterkopfschmerzen
  • chronische diffuse Krankheitsbilder wie Fibromyalgie

Die Entdeckung, dass Ketamin bereits nach einmaliger Gabe schwere Depressionen in weniger als einer Stunde durchbrechen kann („Hit-and-go-Wirkung“), gehört zu den wichtigsten Entdeckungen im Bereich der Psychiatrie der letzten Jahrzehnte. Ketamin hat einen großen Vorteil gegenüber allen anderen Antidepressiva: Es wirkt sofort und reduziert selbst Suizidgedanken meist noch am selben Tag. Um die antidepressive Wirkung von Ketamin zu erzielen, wird es in einer sehr geringen Dosis als Infusion über 40-60 Minuten verabreicht. Die Mehrzahl der Patienten berichtet bereits unmittelbar nach der Infusion über eine deutlich verbesserte Stimmung und klareres Denken. Dieser Effekt ist am darauffolgenden Tag meist sogar noch ausgeprägter, obwohl die Substanz aufgrund ihrer extrem kurzen Halbwertszeit bereits nicht mehr im Körper nachweisbar ist. Die Wirkung hält Tage bis Monate, manchmal sogar Jahre an.

 

Im Bereich der psychogenen Erkrankungen setzen wir Ketamin bei folgenden Erkrankungen ein:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • depressive Phasen einer bipolaren Störung (bipolare Depression)
  • Zwangserkrankungen

Außerdem setzen wir Ketamin zur symptomatischen Behandlung des Chronischen Erschöpfungssyndroms CFS/ME ein und zielen hierbei vor Allem auf Verbesserung der Symptome Muskelschmerzen, "Brain Fog", reaktive Depressivität.

 

Therapiemöglichkeiten sind Infusionen in bestimmten Abständen (z. B. alle 7 oder 10 Tage, je nach Bedürfnissen des Patienten), oder Therapiezyklen à 6 Infusionen, bei denen eine  Infusion pro Tag verabreicht wird und mit dem ein langanhaltender Effekt erzielt werden soll.