Bewußtsein bei Wachkoma-Patienten

Die entscheidende Frage bei apallischen Patienten ("Wachkoma") ist, ob der Patient bei Bewußtseein ist oder nicht. Nicht zuletzt ist dies wichtig für die Prognose des Patienten: Ist Genesung möglic?

 

Neurowissenschafter des Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel, haben nun erstmals eine Möglichkeit gefunden, dies festzustellen, indem sie den "Schnüffelreflex" ausnutzten: Den Patienten wurden drei verschieden gefüllte Gefäße angekündigt und dann vor die Nase gehalten: Ein angenehmer Geruch (Shampoo), ein unangenehmer (verdorbener Fisch) und ein neutraler Geruch (ein leeres Glas). Dabei wurde mit einem Mikrosensor die Luftströmung in der Nase gemessen.  Dies wurde nach dem initialen "Training" in mehreren Sitzungen wiederholt.

 

Die Idee dahinter war, dass apallische Patienten mit Bewußtsein unwillkürlich die Einatmung verändern würden, und genau das trat ein: Die Strömungsgeschwindigkeit nahm bei Ankündigung von verdorbenem Fisch bei einem Teil der Patienten reproduzierbar ab, und dies bereits bevor das Glas an die Nase gehalten wurde. Dies wird als klares Indiz für das Vorhandensein von Bewußtsein bei diesen Patienten interpretiert.

 

Sollte dies in weiteren Studien verifiziert werden, stünde damit eine sehr einfache (und kostengünstige) Möglichkeit zu Verfügung, herauszufinden ob ein Wachkoma-Patient seine Umgebung bewußt wahrnimmt, also "innerlich wach" ist, oder nicht.

 

Arzi, A., Rozenkrantz, L., Gorodisky, L. et al. Olfactory sniffing signals consciousness in unresponsive patients with brain injuries. Nature (2020). https://doi.org/10.1038/s41586-020-2245-5