Doktor Drive-In

In den letzten Wochen hat man immer wieder von Praxen im Saarland und in Rheinland-Pfalz gehört, die ihre Patienten nicht mehr einlassen, sondern sie nur noch durchs Fenster oder telefonisch behandeln.

Die letzten Wochen waren gekennzeichnet durch diffuse, teils panische Krankheitsängste, vor allem von den Medien geschürt, und einem sozialen Umfeld, in dem es – nach einem populären Internet-Meme – mittlerweile mehr Experte als infizierte gibt. 

Wenn dann noch dazu kommt, dass Ärzte nicht in der Lage sind oder sich nicht dazu in der Lage sehen, akzeptable hygienische Bedingungen zu schaffen und so ihre Patienten zu behandeln, so setzt dies dem noch die Krone auf. Das hat mittlerweile dazu geführt, dass chronisch kranke Menschen, Menschen mit schwerwiegenden, ernsthaften und kontrollbedürftigen Erkrankungen, sich nicht mehr in Arztpraxen trauen. Dadurch laufen solche Patienten Gefahr, dass ihre Grunderkrankung sich dramatisch verschlechtert, ohne dass ein Arzt da wäre, dies zu bemerken und zu behandeln. So wird aus einem medial angeheizten Klima der Angst vor Krankheiten eine prekäre Gesundheitsvorsorge. 

Das darf nicht sein! Jeder Arzt muss seine Patienten persönlich, von Angesicht zu Angesichts, live und in Farbe behandeln. Nichts ist wichtiger als die körperliche Untersuchung und die Anamnese. Und eine körperliche Untersuchung kann nicht durchs Fenster stattfinden.

Eine empfehlenswerte Lektüre in dieser Zeit ist der Roman „Die Pest“ von Albert Camus. In diesem Roman, einem Klassiker des Existenzialismus, werden in einer nordafrikanischen Stadt Pestkranke durch einen Arzt behandelt, in Hingabe und Fürsorge für den Patienten, ohne Ansehen der Person. Sein Gegenspieler ist ein katholischer Priester, der das lieber nicht sehen würde. 

Absolut lesenswert, falls sie im Home-Office doch noch etwas Zeit haben sollen.